Ein ferpektes Verbrechen

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Originaltitel: El Crimen ferpecto Alternativtitel: El Crimen Perfecto (The Perfect Crime); Ferpect Crime; Ein Ferpektes Verbrechen - Crimen ferpecto
Darsteller: Guillermo Toledo (Rafael González), Mónica Cervera (Lourdes), Luis Varela (Don Antonio Fraguas), Enrique Villén (Kommissar Campoy), Fernando Tejero (Alonso), Javier Gutiérrez (Jaime), Kira Miró (Roxanne), Rosario Pardo (verwirrte Frau), Gracia Olayo (Concha), Penélope Velasco (Susana), Montse Mostaza als Montserrat Mostaza (Helena), Eduardo Gómez (Taxifahrer), Enrique Martínez, Alicia Andújar (Desiree), Manuel Tallafé (Tipo 2), Paco Churruca (Fernsehmoderator), Javier Aranda (Polizeikommissar), Juan Viadas (Julián), Hector Gomez (Verkäufer), Carmen Ruiz, Isabel Osca (Doña Asunción), Juan Duque (Polizist), Alicia Álvarez (Sonia), Ines Maria Guzman (Señora Enfadada), Helena Carrion (Angestellte in Parfümerie), María Alfonsa Rosso, Hilario Pino (Vorführer -uncredited), Miguel Ángel Refoyo (tanzender Clown -uncredited), Óscar Sueiro (Extra -uncredited), Javier J. Valencia (Extra -uncredited)
Produktionsfirma: Sogepaq, Panico, Sogecine, Planet Pictures S. r. l.
Produktion: Roberto Di Girolamo, Gustavo Ferrada, Álex de la Iglesia
Regie: Álex de la Iglesia
Drehbuch: Álex de la Iglesia, Jorge Guerricaechevarría
Kamera: José L. Moreno
Musik: Roque Baños
Schnitt: Alejandro Lázaro
Spezialeffekte: Antonio Molina
Verleih: e-m-s
Erstaufführung: Kino: Arsenal (Central) 26.5.2005, Kino: FFF Nights Kino Metropol Stuttgart 1.4.2005 e-m-s 13.4.2006 Spanien/Italien 2004
98:33 Minuten (+ Zusatzmaterial: Making of 15:58; Deleted Scenes 18:06; Interviews mit Alex de la Iglesia, Guillermo Toledo und Monica Cervera 5:42; Originaltrailer deutsch 1:04, spanisch 1:04; Teaser 1:28; TV-Spots 0:41; Bildergalerie 3:35), 4 Seiten Booklet, Kartonschuber, 20 Kapitel
Widescreen 2,35:1 anamorph
Deutsch Dolby Digital 5.1, Spanisch Dolby Digital 5.1, Audiokommentar von Regisseur Alex de la Iglesia & Drehbuchautor Jorge Guerricaechevarria Dolby Digital 2.0; Untertitel: deutsch, deutsch Audiokommentar
Ländercode: 2 DVD-9 FSK: 12


Inhalt:
Rafael González ist Verkäufer in der Damenoberbekleidung eines Nobelwarenhauses in Madrid – stets auf gutes Aussehen bedacht und mit Charme versehen hat er bereits mit fast allen Kolleginnen im Haus einen sexreichen Abend verbracht. Als es jedoch um seine Beförderung zum Etagenchef geht, sorgt ein nicht gedeckter Scheck dafür, dass statt ihm sein Konkurrent aus der Herrenabteilung, Don Antonio Fraguas, von der Geschäftsleitung ausgewählt wird. Bei einem Streitgespräch, bei welchem Rafael von seinem Kontrahenten bis aufs Blut gereizt wird, kommt es zu einem Unfall und Don Antonio ist unglücklicherweise mausetot. Als wäre das nicht schlimm genug, ist auch noch dessen Leiche plötzlich verschwunden, und Rafael muss feststellen, wer seine Tat mitverfolgt und die Leiche aus dem Weg geschafft hat. Lourdes, ihres Zeichens die Frau die wohl mit Abstand am wenigsten seiner Definition von „schön“ entspricht, hat dafür gesorgt, dass den Toten niemand findet – allerdings verlangt sie dafür auch eine Gegenleistung. Rafael soll nicht nur ihr Liebhaber, sondern auch ihr Mann und der Vater ihrer Kinder werden, was nicht nur angesichts der verkorksten Familie von Lourdes eine Horrorvorstellung ist – deshalb muss ein „perfektes Verbrechen“ her…

Meinung:
Was passiert, wenn das Enfant terrible des spanischen Films der Meinung ist, eine Hommage an einen Alfred Hitchcock Thriller drehen zu wollen, zeigt sich bei El Crimen ferpecto auf eindrucksvolle Weise. Bei Anruf Mord (Dail M for Murder) aus dem Jahre 1954, der in Spanien unter dem Titel Crimen Perfecto veröffentlicht wurde, darf zu recht als ein wahrer Klassiker angesehen werden. Doch wird die Hommage dem Original gerecht oder wirkt sie nur wie ein billiger Abklatsch? Die Antwort ist eindeutig: auf seine verdrehte Art, die bereits im Titel verankert ist, braucht der Film den Vergleich mit seinem Vorbild nicht scheuen. Bei der Geschichte wird jedoch nicht, wie heutzutage üblich, einfach der Inhalt mehr oder minder gut kopiert – die Story ist eine andere, sehr irrwitzige, aber die Anklänge an das Original sind klar erkennbar. Was vor allem ins Auge fällt ist die virtuose Art, mit welcher Álex de la Iglesia zu Werke geht – sonst war der Zuschauer nur abgedrehte Action gewohnt. Bereits in seinem ersten, etwa zwölfminütigen, Kurzfilm Mirindas asesinas von 1991 (auf der El Dia De La Bestia DVD von Anolis Entertainment enthalten) beeindrucken vor allem die durchgedrehten Momente, so dass das ruhige Ambiente gar nicht auffällt. Richtig aus dem Vollen wurde dann zwei Jahre später bei Aktion Mutante (Acción mutante) geschöpft: der von Agustín Almodóvar produzierte Science Fiction Trash hatte – neben einer völlig verqueren Zukunftsvision – ebenfalls eine starke sozialkritische Aussage vorzuweisen. Danach folgte jeweils ein Jahr später der hierzulande unbekannte Marbella antivicio (ebenfalls mit Santiago Segura) und El Día de la bestia, der durch seine Skurrilität zu einem Kultfilm für eine kleine aber feine Gruppe von Eingeweihten wurde. Den wirklich großen Erfolg konnte Iglesia allerdings erst zwei weitere Jahre später – 1997 – mit Perdita Durango feiern. Ähnlich wie auch Reservoir Dogs, welcher für Quentin Tarantino der Einstieg in die Filmwelt bedeutete, fand der Film nicht wegen der bizarren Ideen seine Fangemeinde, sondern aufgrund der recht skrupellosen Darstellung von Gewalt und non konformer Moralvorstellung. Spätestens Perdita Durango festigte den Platz den der spanische Filmemacher fortan bei der treuen Anhängerschaft haben sollte. Weitere zwei Jahre drauf erschien mit Muertos de risa eine knallbunte Comedy, selbstredend wieder mit Santiago Segura, der nicht nur hierzulande eine Veröffentlichung verwehrt blieb. Allein unter Nachbarn (La Comunidad) sorgte 2000 dann für ähnlich durchgedrehten Spaß wie El Día de la bestia, nur dass diesmal noch ein Schuss gesellschaftliche Kritik in Richtung der ach so „lieben Nachbarn“ hinzukam. Völlig zu Unrecht missachtet ist der zwei Jahre danach veröffentlichte 800 Bullets (800 balas), der mit einer Hommage an Clint Eastwood neben den typischen humorvollen Ideen teilweise schon tragisch schöne Momente herbeizitiert. Vielleicht weil so viel Tiefgang bei seiner Zuschauerschaft nicht ankam, oder er die Abwechslung liebt, sollte das nächste Projekt Ferpect Crime wieder eine durchgeknallte Komödie werden – was auch gleich wieder einen großen Erfolg bescherte. Das lag jedoch nicht nur an dem mittlerweile legendären schwarzen Humor von Iglesia, sondern auch an den sehr gut gewählten Darstellern, die diesmal nicht wie eine Ansammlung Außenseiter und Sonderlinge (wie bei El Día de la bestia) wirkt. Die Möglichkeit der Identifikation ist nicht nur durch die realistisch gehaltene Szenerie, sondern auch aufgrund der Charaktere, die wie aus dem Leben gegriffen scheinen, mehr als gegeben. Das diese Fassade des ersten Blicks natürlich täuscht, und jede Figur die eine oder andere Eigenart hat, ist selbstverständlich – aber diese Verrücktheiten stechen gerade durch das alltägliche Ambiente so besonders hervor. Guillermo Toledo legt seine Figur beispielsweise durch dessen überaus betonten Liebe zu Frauen und allem anderen Schönen fast schon klischeehaft an, doch nicht zuletzt durch diese ausgedrückte einfache Denke ist der Charakter so liebenswert. Rafael González ist zwar ein scheinbar arroganter Charmeur, der nichts anderes im Sinn hat, als die nächste Frau in einem der Kaufhausbetten zu begatten, doch er ist dabei schlicht und ergreifend seiner Lebensphilosophie treu. Für ihn ist der Sinn des Lebens alles schöne zu genießen, egal um welchen Preis – und wenn er in einer leeren Wohnung leben muss, um einen schönen Wagen fahren oder adäquate Kleidung tragen zu können, dann macht er das. Toledo setzt die Figur so grandios um, dass man ihn einfach gern haben muss, weil er einer von uns ist – genauso verschroben wie jeder ist, auf die eine oder andere Art und Weise. Noch weiter relativiert wird dies durch Mónica Cervera, in der Rolle der scheinbar grauen Maus Lourdes, die nach kurzer Zeit immer durchgedrehtere Züge annimmt. Gegen sie wirkt der scheinbar exzentrische Verkäufer wie einer der normalsten Zeitgenossen. Cervera bleibt zwar bei der Darstellung stets im Bereich des Glaubhaften (solche Leute gibt es garantiert!), schockiert und überrascht aber eins ums andere mal. Als die wirklich unattraktivste Mitarbeiterin des Kaufhauses schafft es Lourdes dann auch noch, González die Flügel zu stutzen und ihm die schönen Dinge seines Lebens mit einem Schlag zu nehmen. Ihnen zur Seite steht Don Antonio Fraguas, der von Luis Varela gespielt wird, und zunächst in der Rolle des Konkurrenten negativ als totaler Schleimer auffällt. Danach wird ihm jedoch eine Reinkarnation als Geist zuteil, bei der er dem geplagten ehemaligen Kollegen als eine Art gute/böse Stimme ins Gewissen redet. Auch der Rest der Belegschat hat traumhafte Rollen bekommen – alleine der Vater von Lourdes, der sich in einem komaähnlichen Dauerschlaf befindet, welchen alle in der Familie als völlig normal ansehen, ist schon den Genuss des Films wert. Alle Hauptakteure sind im Heimatland durch einige inländische Produktionen bekannt – hierzulande dürfte jedoch kaum ein Rezipient schon einmal was von ihnen gehört haben. Es zeigt sich jedoch wieder, dass auch mit unbekannten Gesichtern gegen große Produktionen mit entsprechenden Namen bestanden werden kann. Es braucht nur einen Regisseur wie Álex de la Iglesia mit einer guten Idee, die er entsprechend umzusetzen versteht. Damit alles so richtig schön drüber und drunter geht, gibt es etliche Wendungen, die den Zuschauer teils zum Staunen, teils zum Lachen bringen. Jede Szene erfüllt genau ihren Zweck, jeder Gag hat die notwendige Durchschlagskraft. So vergehen die fast hundert Minuten prall gefüllt mit Skurrilität wie im Fluge, ohne das wirkliche Längen auftreten – einfach gute Unterhaltung!

Ausstattung:
Das Bild der spanisch/italienischen Produktion ist in allen Punkten in guten bis sehr guten Bereichen, was so manche teure Produktion alt aussehen lässt. Sowohl Schärfe als auch vor allem die Farbigkeit lassen keine Wünsche offen und bieten einen sehr angenehmen Gesamteindruck. Auch Schwarzwert und Kontrast fügen sich ins positive Gesamtbild ein und so bekommt man ein fast „ferpektes“ Bild – passend zum Film.
Auch für den Ton gilt – dem Optimum schon sehr nahe. Klare Wiedergabe der Stimmen über die Front ohne irgendwelche Einschränkungen oder Verzerrungen. Räumlichkeit gibt es nicht wirklich viel im bei einem in diesem Punkt eher beschaulichen Film, doch die entsprechend vorhandenen Momente (vor allem zum Ende hin) werden effektvoll umgesetzt.
Was das Zusatzmaterial angeht, so ist natürlich die klare Empfehlung nicht die normale Edition zu greifen, die lediglich einen Trailer enthält. Die klar bessere Wahl ist selbstredend die Special Edition, die schon durch den netten Schuber den kleinen Aufpreis rechtfertigt. Hinzu kommt noch weiteres Material, welches zwar nicht unbedingt das Prädikat Special Edition verdient, aber doch sehr lohnenswert ist. Das gut viertelstündige Making of bietet einen guten Einblick in die Regieführung und das jeweilige Ergebnis – Álex de la Iglesia zeigt sich wieder als sympathischer Typ, durch welchen die Tour durch den Dreh sehr unterhaltsam wird. Seine offene und ehrliche Art zeigt sich auch bei den Deleted Scenes, bei denen er dem Zuschauer nahe legt, doch etwas Sinnvolleres mit seiner Zeit anzufangen, da es sich lediglich um verpatzte Szenen handelt. Ebenfalls nicht so informationsgeladen sind die drei aufeinander folgenden Interviews mit Alex de la Iglesia, Guillermo Toledo und Monica Cervera, die alle nur kurz über den Inhalt des Films reden. Die beiden identischen Originaltrailer in deutsch und spanisch sind qualitativ in Ordnung, wenn auch nicht anamorph. Der Teaser ist ungewöhnlich lang und verrät zu viel von der Handlung. Zum Abschluss gibt es noch TV-Spots und Bildergalerie – bei letzterer bekommt der Rezipient einige nette Bilder vom Dreh zu sehen.

Fazit:
Wieder einmal eine packende schwarze Komödie, die man gesehen haben muss !!!

© Heiko Henning
10.6.2006


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=116006 (externer Link!)




Letzte Aktualisierung: 02.12.2018, 23:11 Uhr
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