The Horror Anthology Vol. 3
Blame

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Originaltitel: Películas para no dormir: La culpa Alternativtitel: Films to Keep You Awake: The Room Upstairs
Darsteller: Nieve de Medina (Ana), Montse Mostaza (Gloria), Alejandra Lorenzo (Vicky), Mariana Cordero (Teresa), Asunción Díaz (Consuelo), Lourdes Bartolomé (Monja), Rocío Calvo (Amparo), Elena de Frutos (Aurora), Paloma Ruiz de Alda (Marta), Sonia Jávaga (Patientin), Patricia García (Schwangere 1), Marta Nieto (Schwangere 2), África Luca de Tena (Krankenschwester 1), María Martínez (Krankenschwester 2), José María Rueda (Interner)
Produktionsfirma: Filmax International
Produktion: Álvaro Agustín, Julio Fernández
Regie: Narciso Ibáñez Serrador
Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador (als Luis Peñafiel) Story: Luis Murillo
Kamera: José Luis Alcaine
Musik: Víctor Reyes
Schnitt: David Pinillos
Spezialeffekte: Reyes Abades
Verleih: e-m-s
Erstaufführung: 2006 e-m-s 9.11.2006 Spanien 2006
72:03 Minuten (+ Zusatzmaterial: The Horror Anthology Trailershow: The Baby´s Room 1:52, Spectre 1:50, Blame 1:54, A Real Friend 1:54, Xmas Tale 1:45, To Let 1:58), 16 Kapitel
Widescreen 1,78:1 anamorph
Deutsch Dolby Digital 5.1, Spanisch Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS; Untertitel: deutsch
Ländercode: 2 DVD-9 (6,27 GB) FSK: 16


Inhalt:
Die junge Krankenschwester Gloria zieht mit ihrer Tochter Vicky bei der Gynäkologin Ana ein, um die Miete zu sparen. Dafür hilft sie der Ärztin bei der Arbeit in der Praxis, die sich unten in dem von ihr bewohnten Haus befindet, teilweise sogar bei illegalen Abtreibungen. Zunächst scheint alles gut, doch dann häufen sich die seltsamen Ereignisse: Türklinken bewegen sich, unheimliche Geräusche sind zu hören und anscheinend hat es vor Gloria schon andere Helferinnen gegeben, was Ana jedoch verneint. Die Beziehung wird seitens Ana immer intimer, was Gloria jedoch sehr brüsk abwehrt. Als diese dann auch noch schwanger wird, kommt es zur Eskalation und die Gynäkologin droht mit dem Rausschmiss der beiden Untermieter – sozialer Druck sorgt schließlich dafür dass Gloria nachgibt und sich zur Abtreibung durchringt. Nach dem Eingriff, nachdem sogar der Fötus verschwindet, ist nichts mehr wie früher und die gespenstischen Geschehnisse laufen immer mehr Amok…

Meinung:
Blame, oder The Room Upstairs, wie er im englischen heißt, ist der dritte Teil der „The Horror Anthology“ Serie und lief sogar schon im hiesigen Fernsehen. Das verwundert beim genaueren Hinsehen allerdings nicht, da der Regisseur diesmal Narciso Ibáñez Serrador ist, der ein Hauptinitiator und Produzent dieser spanischen Fernsehreihe ist. Insofern erstaunt es nur, dass der Film nicht an den Anfang oder das Ende der Serie gelegt wurde – auch angesichts der Erfahrung des Regisseurs. Bereits zwischen 1966 und 1982 lieferte er zwischen diversen anderen TV Arbeiten eine Serie ab die im Genre ähnlich gelagert war. Insofern sind natürlich die Erwartungen recht hoch – inwieweit sie erfüllt werden hängt sicherlich nicht unmaßgeblich von dem ab, was der Zuschauer von dem Werk erwartet. Der Titel verdeutlicht schon recht gut, um was es thematisch geht: Schuld und ihre Auswirkungen. Der Reiz des Films besteht aus dem Verwirrspiel, von wem oder was die seltsamen Ereignisse ausgehen, jeder scheint verdächtig, und auch das Übernatürliche wird stark miteinbezogen. Diese übersinnlichen Elemente werden zumeist nur angedeutet und vor allem durch die unheimliche Atmosphäre sowie die stimmungsvolle Musik erzeugt – erst sehr spät wird auf gruselige Elemente zur erfolgreichen Erzeugung von Gänsehaut gesetzt. Dabei gibt es auch einige schauerliche Zitate wie die „Dreirad Szene“ aus Stanley Kubricks Shining zu sehen, die nicht ihre Wirkung verfehlen. Trotz des recht frühen Einsatzes von Blut werden alle Handlungsfäden zunächst aufgenommen und wild miteinander verwoben, so dass der Rezipient erst einmal in das Gesehene einsteigen und die Fragmente sortieren muss. Eingefangen wird alles mit atmosphärischen Bildern, in denen vor allem auch die Nahaufnahmen der Hauptdarsteller für eine unterschwellig angespannte Stimmung sorgen. Das Spiel mit und zwischen den Figuren ist einer der wichtigsten Mittel und entsprechend viel Augenmerk wird auf die Schauspieler gelenkt. Alle scheinen undurchsichtig und vielschichtig, was geschickt das Interesse des Zuschauers weckt. Vor allem Nieve de Medina in der Rolle der kaltschnäuzigen, burschikosen und teils schon fast emotionslosen Gynäkologin Ana ist eines der tragenden Säulen des Films. Ist sie nun wirklich die Böse, oder hat sie ihre Arbeit mit all den Abtreibungen von potentiellem Nachwuchs, der von der bösen Männerschaft so fahrlässig in die Welt gesetzt wurde, einfach nur abgestumpft. Das Verhalten wandelt jedoch mehrfach und von abgestumpft kann keine Rede mehr sein, wenn aktiv zu einem Schwangerschaftsabbruch überredet, oder sogar nahezu gezwungen wird – von dem herzlosen Entsorgen der Föten im Abort mal ganz abgesehen. Auf der anderen Seite steht Montse Mostaza als Gloria, die ebenfalls schauspielerisch Beeindruckendes abliefert und der alleinerziehenden und katholisch erzogenen Mutter sehr viel Plastizität verleiht. Auch hier scheint nicht alles so zu laufen wie es soll, was sich in glaubhaften Reaktionen und Gesten wiederspiegelt. Immer wieder brechen seltsame Verhaltensmuster hervor, die den Argwohn des Zuschauers auf sich ziehen, ein geschicktes Spiel der Schauspielerin mit der Szenerie. Sogar Alejandra Lorenzo in der Rolle der kleinen Vicky kommt ein wichtiger Teil der Handlung und auch des Verwirrspiels zu. Dabei wirkt das Mädchen nicht nur natürlich sondern auch sehr glaubhaft, was bei Kindern alles andere als selbstverständlich ist. Dieses Trio Infernal wird noch mit einigen Randfiguren abgerundet, die ebenfalls auf interessante Weise in die Handlung eingreifen. Leider kann das Drehbuch nicht in jedem Moment diesen hohen Leistungen gerecht werden, weil unter anderem etliche Handlungsfäden erzeugt aber nur ein gewisser Teil davon auch konsequent verfolgt und zum Ende gebracht werden – das sehr überraschende Finale an sich wirkt jedoch glaubhaft und schlüssig. Ein weiteres Problem entsteht hingegen vor allem bei einem – hierzulande sicherlich größeren – Teil der deutschen Zuschauerschaft, weil diese die katholische Einstellung zur Abtreibung sicherlich nicht nachvollziehen kann. Neben den Darstellern gibt es jedoch noch etwas, was das Werk für den Zuschauer lohnenswert macht: die Kameraarbeit von José Luis Alcaine. Trotz fast komplettem Verzicht auf explizite Darstellung von Gewalt strahlen die Bilder eine ständig vorhandene Anspannung aus, die im Kopf des Zuschauers ihr wahres Potential entfalten. Das Haus wird geschickt eingefangen, mit Kamerawinkeln und Ausleuchtung werden beispielsweise die Wohnzimmer von dem für Operationen hergerichteten Raum stimmungsmäßig abgegrenzt. Mit Kleinigkeiten wie rollendem Kinderspielzeug oder sich von alleine bewegenden Gläsern mit Föten wird schon ein Großteil der optischen Spannung erzeugt. Insgesamt ergibt sich also ein sehr positives Bild, welches durch Schwächen im Drehbuch etwas getrübt wird.

Ausstattung:
Wie nicht anders zu erwarten, und auch bei den anderen Veröffentlichungen dieser Reihe, sind keine analogen Defekte beim Bild zu beklagen. Kontrast und Schärfe liefern saubere Werte, was unter anderem auch darauf zurückzuführen ist, dass dankenswerter Weise auf Filter verzichtet, und die Kompression schonend eingesetzt wurde. Lediglich die Körnung des verwendeten, etwas gröberen, Filmmaterials stört das geschulte Auge etwas – die etwas andere Farbgebung darf als Stilmittel und gewollt angesehen werden.
Die Dialoge werden wieder sauber und präzise von allen Tonspuren transportiert – insgesamt gibt es kaum Unterschiede. Im Gegensatz zu den beiden bisherigen Filmen haben sich die direktionalen Effekte noch ein Stückchen weiterentwickelt und der ansprechende Score ist ständig rundherum präsent. Die DTS Spur wurde ein wenig lauter abgemischt, was ihr ein wenig mehr Druck verleiht, ansonsten gibt es keine Abweichungen zu vermelden.
Das Zusatzmaterial besteht, wie nicht anders zu erwarten, wieder nur aus einer Trailerserie zu den Filmen von „The Horror Anthology“. Das Menü der DVD ist zwar nicht sehr üppig aber insgesamt recht stimmig ausgefallen. Ebensolches gilt auch für Cover und Backcover, die durchaus zum Kauf animieren.

Fazit:
Es sind zwar Schwächen im Drehbuch auszumachen, doch diese werden jedoch nicht zuletzt von den Darstellerinnen mehr als wettgemacht !!!

© Heiko Henning
22.1.2007


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=11^6072 (externer Link!)




Letzte Aktualisierung: 02.12.2018, 23:11 Uhr
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