The Horror Anthology Vol. 4
A real Friend

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Originaltitel: Películas para no dormir: Adivina quién soy Alternativtitel: Films to Keep You Awake: A Real Friend
Darsteller: Goya Toledo (Angela), Nerea Inchausti (Estrella), José María Pou (gewichtiger Mann), Aitor Mazo (Bubba), Eduard Farelo als Eduardo Farelo (Vampir), Mark Ullod (Professor), Roelkis Bueno (junger Offizier), Andrés Marí (Gerichtsmediziner), Sandra Aguilera (bolivisches Kind), Lolo Herrero (junger Aufseher), Daniel Tristany (Rezeptionist), Maria Blanco-Fafian (junge Krankenschwester), Rosa Pastó (Marga), Federico Untermann (ATS), Flora María Álvaro als Flora Alvaro (Señora Playa/Madre Enfermo), Nico Baixas (Vampir), Xavier Capdet (Mr. Hyde), Oscar Pino (Cowboy Zombie 1), Jonathan Vives (Cowboy Zombie 2)
Produktionsfirma: Filmax International
Produktion: Julio Fernández, Aitor Montánchez
Regie: Enrique Urbizu
Drehbuch: Jorge Arenillas, Enrique Urbizu
Kamera: Unax Mendía
Musik: Mario de Benito
Schnitt: Pablo Blanco
Visual Effects: Laura Maynadé
Verleih: e-m-s
Erstaufführung: 2006 e-m-s 9.11.2006 Spanien 2006
72:54 Minuten (+ Zusatzmaterial: The Horror Anthology Trailershow: The Baby´s Room 1:52, Spectre 1:50, Blame 1:54, A Real Friend 1:54, Xmas Tale 1:45, To Let 1:58), 12 Kapitel
Widescreen 1,78:1 anamorph
Deutsch Dolby Digital 5.1, Spanisch Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS; Untertitel: deutsch
Ländercode: 2 DVD-9 (6,56 GB) FSK: 16


Inhalt:
In einem afrikanischen Land besticht ein Priester einen Soldaten um einen verbrannten Leichnam sehen zu dürfen – wie von ihm erwartet hat der Tote ein Pentagramm auf die Hand tätowiert. Kurz darauf teil ihm jedoch ein Mädchen mit, dass „er“ wieder da ist, woraufhin der Geistliche sofort los eilt und das Wesen bei einer Frau im Bett erwischt – doch die bei der Flucht verschossenen Kugeln scheinen keine Wirkung zu zeigen. Die Zehnjährige Estrella (übersetzt etwa: der Stern) lebt offensichtlich das Leben eines verschlossenen Einzelkindes – sie macht sich zu essen was sie will, und sie sieht auch die Horrorfilme, die sie sehen will. Ihre große Fantasie manifestiert sich in den mehr und mehr real erscheinenden Monstern aus diesen Filmen, und so tauchen nicht nur Leatherface und Nosferatu, sondern auch ein geheimnisvoller Vampir auf. Diese integrieren sich zusehends in das alltägliche Leben der Kleinen und interagieren mit ihrer Umwelt, scheinbar ohne dass diese oder ihre alleinerziehende Mutter Angela etwas davon mitbekommt…

Meinung:
Der vierte Regisseur im Bunde ist Enrique Urbizu, der mit seinem Beitrag zu „The Horror Anthology“ trotz der vielen Horrorfiguren einen eher ruhigen Beitrag abgeliefert hat. Seine letzten beiden Regiearbeiten Life Marks und Box 507 konnten zwar auf Festivals Preise erbeuten, hierzulande sind sie jedoch bislang nicht veröffentlicht worden. Das einzige seiner Werke, das in Deutschland einen Namen hat, ist Roman Polanskis Die Neun Pforten mit Johnny Depp in der Hauptrolle, für den Urbizu das Drehbuch verfasste. Mit A real Friend liefert er eine, entsprechend seiner nicht gerade kurzen Vita, routinierte Arbeit ab – allerdings weiss das Skript diesmal nicht ganz so zu überzeugen. Sehr gut ist hingegen die Leistung von Goya Toledo, die als Angela eine glaubhafte Mutter verkörpert und trotz nicht ständiger Präsenz den Film zum großen Teil trägt. Es verwundert nicht, dass sie eine der momentan gefragtesten spanischen Schauspielerinnen ist – unter anderem hat sie auch schon Projekte mit als Regisseur Enrique Urbizu verwirklicht. Nerea Inchausti, in der Rolle der kleinen Estrella, liefert in ihrem Debütfilm eine recht gute Leistung ab, vor allem wenn man ihr Alter bedenkt. Im Gegensatz zu dem Darsteller der mit Leatherface Maske erstaunlich überzeugend agiert, bleibt der TV Schauspieler Eduard Farelo in der eigentlich recht charismatisch angelegten Rolle des Vampirs unter den Möglichkeiten der Figur. Doch der eigentliche Reiz des Films geht von der recht skurril angelegten Handlung aus: ein Mädchen, welches sich mit Monstern anfreundet ist schon eine nette Grundidee. Die Figuren wurden mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt, und nicht nur Leatherface sieht seinem Vorbild zum Verwechseln ähnlich – auch Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu Figur ist mehr als adäquat. Wer sich zuvor den Trailer zum Film ansieht, wird vor allem eins erwarten: mystische Geschehnisse, welche die Mutter vor der Tochter zu verbergen versucht. Was er dann vorgesetzt bekommt ist allerdings eher ein humorvoller Umgang der Tochter mit Horrorfilmfiguren die scheinbar ihrer Fantasie entspringen. Skurril wird es in Momenten wie dem einer herzlichen Umarmung der Kleinen mit Leatherface (Texas Chainsaw Massacre), oder wenn dieser davon abgehalten werden muss, eine Mitschülerin zu tätscheln. Den Horrorfans ist dieser für alles andere als seine Sympathiepunkte bekannt – eigentlich wird bei ihm die Kettensäge geschwungen, bis keiner mehr steht. In diesen Szenen darf dann vor allem geschmunzelt (Zuschauer) bis schallen laut gelacht (Horrorfilmfan) werden, was eigentlich nicht wirklich dem Credo der Filmserie entspricht. Eine andere Form der Skurrilität kommt in Szenen hoch, in welchen beispielsweise die Mutter völlig emotionslos und nebenher Sex mit scheinbar fremden Männern hat. Der eigentliche Horror entsteht aus der kalten Umgebung des fast schon sterilen Wohnungskomplexes, dem neuzeitlichen Gruselschloss und den verlassenen Straßen der Großstadt, aber auch der persönlichen Kälte die daraus entsteht. Der Film bleibt recht blutarm, obwohl es einen erstaunlichen Aufmarsch an Monstern mit bemerkenswert guten Masken gibt. Neben Leatherface, einem an Blade erinnernden neuzeitlichen Vampir und Nosferatu gibt es auch noch eine Gruppe Zombies, Mr. Hyde sowie einen an Pennywise angelehnten Clown. Dabei gibt es natürlich reichlich Verweise auf Stephen King und Robert Louis Stevenson – teilweise sogar direkt auf deren Bücher. Erst bei dem Aufmarsch kommt richtig Tempo in den sonst eher gemächlich dahin schreitenden Film, wodurch auch – neben der Frage nach der Auflösung – wenig Spannung entsteht. Dafür stimmt allerdings die Atmosphäre, welche einen nicht unwesentlichen Teil am Unterhaltungswert beiträgt. Außerdem ist die Musik von Mario de Benito recht gut ausgewählt und werkelt angenehm subtil im Hintergrund. Hervorzuheben ist auf jeden Fall auch die Arbeit von Unax Mendía, der aus der Kamera so manch tiefgründige Aufnahme, wie den Schatten eines Pentagramms aus der Vogelperspektive, herausholt. Das alles rettet Películas para no dormir: Adivina quién soy jedoch leider nicht vor seinem wahren Grauen: der Auflösung. Sie ist zwar sicherlich überraschend, aber eher aus dem Grund, weil kaum ein Zuschauer mit einem so simplen erzählerischen Trick gerechnet hätte. Da fallen dann auch Ungereimtheiten wie das Spiegelbild eines Vampirs, der offensichtlich komplett Kugelsicher ist, nur noch wenig ins Gewicht. Ein wirklich sehr interessanter und unterhaltsamer Film, der vielleicht etwas mehr Tempo hätte vertragen können – und vor allem ein anderes Ende.

Ausstattung:
Positiv ist die Entwicklung bei der DVD Umsetzung, bei der das Bild im Großen und Ganzen mit der restlichen Serie mithalten kann. Vor allem das Bildrauschen – bislang stets mehr oder minder im Vordergrund – ist angenehm niedrig ausgefallen, was aber unter anderem mit einem nicht optimalen Schwarzwert und weniger Farbigkeit in dunklen Bereichen erkauft wurde (diese resultieren allerdings auch aus der als Stilmittel eingesetzten kühlen Farbgebung). Die Schärfe ist nicht an jeder Stelle als solche zu bezeichnen, da partiell Details verloren gehen und sich Konturen nicht klar abzeichnen, was dem Bild einen zu weichen Eindruck verleiht.
Der Ton glänzt wieder einmal vor allem durch gute Dialogverständlichkeit in allen drei Tonspuren, die allesamt recht identisch ausfallen – auch DTS sticht nicht wirklich hervor. Die direktionalen Effekte sind wieder bedingt durch die ruhige Handlung lediglich beim Score und wenigen Umgebungsgeräuschen vorhanden. Vom Bass wurde leider zu wenig Gebrauch gemacht, so dass der Ton insgesamt etwas zu kraftlos wirkt – mehr Druck, gerade aufgrund der zurückhaltenden Musik, wäre hier nicht unpassend gewesen.
Bleibt noch der ewige Kritikpunt der Reihe: das mehr oder minder nicht vorhandene Bonusmaterial. Es ist sicherlich richtig, dass es bei einer solchen Serie sinnvoll ist, die Ausstattung einheitlich zu halten, und es wäre bestimmt nicht für jeden Film das gleiche an Bonus zu haben gewesen. Doch zumindest eine kleine Beigabe wie Interviews, B-Roll oder einfach nur Texttafeln mit Informationen wäre neben den sechs Trailern doch möglich gewesen.

Fazit:
Sehr interessante Ansätze bei der Geschichte – leider wird das Finale diesen keinesfalls gerecht !!!

© Heiko Henning
31.1.2007


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=116074 (externer Link!)




Letzte Aktualisierung: 02.12.2018, 23:11 Uhr
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